Insel der Flechten - Dezember 2010
Der Waterberg birgt noch viele Geheimnisse - vor allem, was die kleinen Wunder der Natur betrifft. Zu diesem Ergebnis kam der deutsche, an Flechten interessierte Biologe Ulrich Kirschbaum, der Waterberg Wilderness während eines Urlaubs besucht und Proben von etwa 30 Arten gesammelt hatte. Viele dieser Flechten, so stellte sich heraus, sind noch nicht eindeutig bestimmt, sondern lassen sich lediglich Gattungen zuordnen. Die Bestimmung erfolgte durch den Flechtenkundler Prof. Volkmar Wirth, der vor kurzem ein Buch über die Flechten der Namib herausgebracht hat.
Farbenfrohes Kunstwerk auf dem Sandstein: Caloplaca cinnabarina. Der Gattungsname kommt aus dem Griechischen (kalos = schön; plakous = flacher Kuchen); die deutsche Bezeichnung lautet 'Schönfleck'-Flechten. Foto: Ulrich Kirschbaum
Insgesamt mag es etwa 140 Arten am Waterberg geben, meint Kirschbaum und beruft sich dabei auf Schätzungen des südafrikanischen Flechtenexperten Dirk Wessels. Viele dieser Arten seien laut Wessels endemisch, kommen also nur dort vor. Erklären könne man sich das damit, dass der Waterberg isoliert ist, weil er eine relativ regenreiche Insel in einer eher trockenen Gegend bildet. In der Tat stauen sich Wolken an dem bis zu 200 m aus der Ebene herausragenden Berg und regnen dort ab; direkt am Berg oder im Tal regnet es im Schnitt deutlich mehr als in der Ebene.
Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine untrennbare Lebensgemeinschaft aus Pilz und einem Partner, der Photosynthese betreibt - meist Grünalgen oder Cyanobakterien. Da der beteiligte Pilz in mehrfacher Hinsicht ausschlaggebend ist, werden Flechten den Pilzen zugerechnet. Weltweit gibt es schätzungsweise 25.000 Arten.
Lichen
Flechtenverzeichnis von Ulrich Kirschbaum
Buch (engl.) über Flechten der Namib von Prof. Volkmar Wirth
News 2010